Heinrich Heine - Lyrik und Jazz


1966 erschien unter dem Philips-twen Plattenlabel eine Aufnahme, auf der ein Schauspieler (Gert Westphal) begleitet von einem Jazz-Quartett Gedichte und Texte von Heinrich Heine rezitierte. Es war aber nicht eine klassische Lesung, wie man sie damals und heute (Görner!) kannte, auch nicht eine Aufnahme, in der lediglich ein Lesender von Musikern begleitet wird, sondern etwas, was man heute wohl als "Interaktion" bezeichnen würde: Ein intensives Gespräch zwischen dem Dichter, dem Schauspieler und den Musikern.

Lyrik und Jazz
Heinrich Heine - Attila Zoller

Jetzt verjazzen sie auch noch den Heine! Ich weiß wirklich nicht, was soll es bedeuten. War dieser zarte Heine etwa ein zorniger junger Mann? Ein Beatnik mit blauer Blume? Ja, Herrschaften, er war es!
Heinrich Heine war der helle und kritische Kopf des "Jungen Deutschland". Er war ein Lyriker mit politischem Verstand. Bei ihm zog's nicht nur leise durchs Gemüt, er konnte auch Eichen zerbrechen. Als aufgeklärter Poet hatte er seine demokratische Vaterlandsliebe ein Leben lang gegen die "Hundertzwanzigprozentigen" zu verteidigen. "Mit weißen Handschuhen im goldenen Elend" schrieb er vor mehr als 120 Jahren Meinungen nieder, die so bestürzend modern waren, daß die Ohren der Verfassungsschützler noch heute erröten dürften.
Diejenigen, die Heine weiterhin in der "Matratzengruft" zweier Buchdeckel schlafen lassen wollen, die ihm allenfalls das Zarte, nicht aber das Zornige abnehmen und sich dagegen wehren, ihn zeitgemäß einzugemeinden - es hat sie schon zu Heines Lebzeiten gegeben.
Sie hatten in Preußen seine Werke verboten. Sie machten ihn zum politischen Emigranten, jagten ihn ins Exil und setzten ihn auf die Fahndungsliste; den Steckbrieftext schrieb ein preußischer Spion: "Heine, Schriftsteller, mittlere Statur, spitze Nase und spitzes Kinn, betonter israelitischer Typus, ein Wüstling, dessen müder Leib Erschöpfung bekundet".
(Im übrigen sollte irgendein begabter Kustos über das Thema "Heine-Denkmäler" mal einen Kriminalroman schreiben. Motto: "In Deutschland verhält sich die Anzahl der Kriegerdenkmäler zu der Anzahl der Heine-Denkmäler wie die Macht zum Geist". Tucholsky.)

(Verf. Walter Haas)

Hier die Texte der LP:

Rückschau
Doktrin
Aber ach! Jeder Zoll... Reisebilder
Dabei muß ich Ihnen auch gestehen   Die Bäder von Luc
Im traurigen Monat November war´s     Deutschland...
Nachtgedanken
Wie sehnt´ ich mich oft...    Deutschland...
Ja, daß es uns früher so schrecklich ging     Deutschland...
Verheißung
O Deutschland, meine ferne Liebe
Dieses ist Amerika
Das Sklavenschiff
Ich hatte einst ein schönes Vaterland
Ich hab´ im Traum geweinet
Ein Jüngling liebt ein Mädchen
Clarisse
Mit dummen Mädchen
Die kleine Harfenistin     Von Genua...
Die Welt ist dumm
Sie hatten sich beide so herzlich lieb
Das macht den Menschen glücklich
Ich halte ihr die Augen zu
Was aber die Liebe ist...     Reisebilder
Nimmer glaub´ ich
Donna Clara
Wenn ich an deinem Hause
Wenn ich beseligt von schönen Küssen
Aus meinen großen Schmerzen
Die alten, bösen Lieder
Der Vorhang fällt
Heines Grabschrift
Beine hat uns zwei gegeben